In der ladinischen Kultur, wie oben erwähnt, ist das Geschichtenerzählen seit langem ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und der Tradition in den Bergen. Eine der bekanntesten Erklärungen für die Enrosadira (das rosa Leuchten, das bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf den Dolomiten erscheint) stammt aus der Legende von König Laurin, dem Zwergenkönig, der vor langer Zeit in der Berggruppe Catinaccio gelebt haben soll. Laurin verbrachte seine Tage damit, tief unter der Erde nach Edelsteinen zu graben, und zu seinen Schätzen gehörte ein magischer Gürtel, der ihn unsichtbar machen konnte.
In der Geschichte wird Laurin von Similde, der Tochter des Königs von Adige, fasziniert. Mit Hilfe seiner Unsichtbarkeit entführt er sie und bringt sie in sein Reich im Catinaccio. Um seine Liebe zu feiern und den Berg in etwas Außergewöhnliches zu verwandeln, spricht Laurin einen Zauber aus, der die Hänge mit einem dichten “Mantel” aus roten Rosen bedeckt. So erhielt die Berggruppe auch ihren deutschen Namen, Rosengarten (“Rosengarten”).
Simildes Vater versammelt seine Männer und macht sich auf den Weg, sie nach Hause zu bringen. Laurin glaubt, dass ihn niemand fangen kann, solange er nicht gesehen werden kann, aber er übersieht ein Detail: Jedes Mal, wenn er durch den rosenbedeckten Berg geht, zertritt er Blumen unter seinen Füßen. Die Retter folgen einfach der Spur der zertrampelten Rosen, erreichen ihn und nehmen ihm den Gürtel weg. Laurin wird gezwungen, sich zu ergeben und Similde ihrem Vater zurückzugeben.
Bevor er das Mädchen aufgibt, legt Laurin einen Fluch auf die Rosen, die ihn verraten haben: Kein Mensch wird jemals wieder den Rosengarten sehen können, “weder bei Tag noch bei Nacht.” Die Rosen verschwinden und hinterlassen nur nackten Fels. Aber Laurin vergisst einen Moment, der weder Tag noch Nacht ist: den Sonnenuntergang. Und deshalb, sagt die Legende, können die Dolomiten immer noch rot und rosa erröten bei Morgengrauen und Abenddämmerung, als ob der verborgene Rosengarten kurzzeitig im Licht wieder erscheint.
Diese Version der Legende ist von Visit Trentino dokumentiert. Du kannst die ganze Geschichte hier lesen.